ArchivKunstfoyer

Sergio Larrain. Retrospektive. Henri Cartier-Bresson. Mexiko.

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"Wir leben in einer privilegierten Welt. Man braucht sich nur umzuschauen, um die Unterschiede zu sehen. Aber diese Privilegien muss man in den Dienst einer Sache stellen, an die man glaubt." Henri Cartier-Bresson 

Sie waren Pioniere des Fotojournalismus. Sie waren Idealisten mit humanitärem Anspruch: Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, George Rodger, David Seymour und William Vandivert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründeten sie die Agentur Magnum - bis heute die renommierteste Fotoagentur der Welt. 

In seiner Reihe zur Dokumentarfotografie widmet sich das Kunstfoyer zwei Magnum-Fotografen: Dem legendären französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908-2004) mit seinen Momentaufnahmen von den Straßen Mexikos der 30er und 60er Jahre und dem Chilenen Sergio Larrain (1931-2012), dessen Werk und Lebensweg kaum bekannt sind. In Deutschland wird Larrain zum ersten Mal mit einer groß angelegten Retrospektive präsentiert. 

Sergio Larrain und Henri Cartier-Bresson haben ähnliche Motive favorisiert. Beide kamen aus großbürgerlichen Familien, doch rebellierten sie gegen ihre wohlhabende Herkunft. Wie viele ihrer Künstlerkollegen und Literaten interessierten sie sich besonders für Außenseiter und Randfiguren der Gesellschaft und bewunderten sie für ihr unmittelbares und unverfälschtes Sein. Cartier-Bresson erinnerte sich noch Jahrzehnte später an seine beiden Mexiko-Reisen: „Mexiko – was für eine Gewalttätigkeit und Leidenschaft!“. Auf der Suche nach dem existentiell Menschlichen entstanden einfühlsame Milieuschilderungen, die den abgebildeten Personen stets ihre Würde belässt und sie mit einem Hauch von Poesie umgibt. Eine Vorgehensweise, die zugleich sozial engagiert und ästhetisch motiviert ist. Dramatisches Licht, intensive Schatten und experimentelle Bildausschnitte prägen die Schwarz-Weiß-Bilder von Straßenkindern, Prostituierten oder Bettlern. Die sogenannten Außenseiter sind reich an vieldeutiger Gestik und Mimik. 

1961 wurde Sergio Larrain auf Empfehlung seines Freundes Henri Cartier-Bresson Mitglied der Agentur Magnum Photos. Doch zwischen den renommierten Kollegen fühlte sich der zurückhaltende und kontemplative Chilene nicht wohl. Er kam mit der journalistischen Auftragsarbeit nicht zurecht. Nach anstrengenden Reportagen über den Algerienkrieg, die Hochzeit des Schahs von Persien sowie über die sizilianische Mafia, zog er sich 1963 in seine Heimat Chile zurück. Er blieb dort während der Militärdiktatur, arbeitete weiter als Magnum-Korrespondent und führte ein zurückgezogenes spirituelles Leben. 

Die Retrospektive über Sergio Larrain wurde von Agnès Sire für die Fondation Henri Cartier-Bresson in Paris kuratiert. Sie verfolgt Larrains fotografische Eindrücke der Jahre 1950-1963 in Chile, Bolivien, Argentinien, Peru sowie in Sizilien, in London und Paris und thematisiert seine spirituellen Zeichnungen und Texte. Im Kunstfoyer wird ergänzend das "mexikanische Tagebuch" von Henri Cartier-Bresson gezeigt. In der Gegenüberstellung der beiden Werke werden Parallelen sowie Unterschiede der ästhetischen Konzepte deutlich.

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