PreviewKonzertreihe

Musik und Film

Musik und Film

Ein Gesprächskonzert

4. Juli 2019, 20.00 Uhr
Foyer der Versicherungskammer Bayern, München-Giesing

Robert Bresson hielt das Ohr für schöpferischer als das Auge: »Das Auge ist faul, das Ohr dagegen erfindet«, so der Regisseur. Mit der jaulenden Mundharmonika aus »Spiel mir das Lied vom Tod« verwandelt sich der nächste Bahnhof in eine gottverlassene Bretterbude unter der flirrenden Sonne des amerikanischen Westens. Und vor dem weißen Hai fürchten wir uns lange bevor wir ihn zum ersten Mal sehen: Die Musik von John Williams verursacht Gänsehaut und latente Panik vor dem nächsten Badesee. Musik kann uns körperlich in Angst, Freude, Spannung, überwältigende Begeisterung versetzen. Nicht von ungefähr kommt ihr seit den frühen Tagen der Filmgeschichte eine große Bedeutung für die Wirkungsweise der Bilder zu.

Als um 1895 die erste öffentliche Aufführung einer Filmszene – ein in einen Bahnhof einfahrender Zug – die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzte, hatte Musik im Kino (neben der akustischen Verstärkung des Sichtbaren) noch ganz pragmatische Aufgaben: sie musste vor allem das Rattern des Projektors übertönen – und den Anwesenden die Angst vor der Dunkelheit nehmen. »Die Filmgesellschaften gaben ihren Filmen zumeist nicht mehr als einen Musik-Fahrplan mit. Ob sich die Kapellmeister an diesen Fahrplan hielten oder nicht, blieb ihnen überlassen«, so der Geiger Paul Dessau, der später als Theaterkomponist berühmt wurde. Erst mit der Erfindung des Lichttonverfahrens wurde das detailgenaue Synchronisieren der Musik mit dem Filmstreifen möglich. Die frühen Tonfilm-Komponisten – wie Erich Korngold oder Max Steiner – waren in der Tradition der abendländischen Kunstmusik ausgebildet und haben die Filmmusik nachhaltig symphonisch geprägt. Allerdings wurde in der Filmmusik auch immer schon gern gemischt: Musicalsongs, Jazz und Oper – ganz im Dienste ihrer syntaktischen, dramaturgischen oder expressiven Funktion.

Heute ist kein Film, kein Computerspiel, keine Serie, keine Werbung ohne den gezielten Einsatz von Musik denkbar. Nicht immer werden dabei hohe Anforderungen an die schöpferischen Fähigkeiten unserer Ohren gestellt. Wie es anders geht? Darüber sprechen wir mit drei Experten: dem Regisseur und Musiker Dietrich Brüggemann (u.a. Regie, Drehbuch und Musik für den Tatort »Murot und das Murmeltier«), der Pianistin und Komponistin Ulrike Haage (u.a. Filmmusik für »Grüße aus Fukushima«, Regie: Doris Dörrie) und dem Komponist Enjott Schneider (u.a. Filmmusik für »Stalingrad«, »Schlafes Bruder« und »23«). Sie diskutieren über Wahrnehmung und Möglichkeiten von Musik im Film und den Umgang mit Soundtracks, Scores und Stille.

Musiker der Münchner Symphoniker spielen Filmmusik von Nino Rota, Henry Mancini u.a.

Podiumsgäste

Dietrich Brüggemann, Filmregisseur und Musiker
Ulrike Haage, Pianistin und Komponistin
Enjott Schneider, Komponist

Veranstaltungsort

Versicherungskammer Bayern
Warngauer Str. 30
81539 München

Die Veranstaltung wird im Rahmen der Sendereihe „Thema Musik Live“ auf BR-KLASSIK übertragen und findet in Kooperation mit dem Filmfest München statt.

Tickets

Karten können ab dem 30. Mai, 18 Uhr hier bestellt werden.