ArchivKonzertreihe

Symphonischer Dokumentarfilm: Im Kampf mit dem Berge (1921)

© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
© Archiv Matthias Fanck
© Archiv Matthias Fanck

Die Neue Musik spiegelt die innere Wirklichkeit und bildet Gefühlswelten ab. Sie lässt uns hören, welche Kraft Umbrüche, Veränderungen und Zeitbrüche in sich tragen. Der künstlerische Dokumentarfilm bildet die äußere Wirklichkeit ab und lässt uns sehen, welche Auswirkungen die Veränderungen auf uns und unsere Kulturen haben. Gemeinsam können sie Größeres – ein Gesamtkunstwerk erschaffen.

Im Kampf mit dem Berge (1921) Länge: ca 75 Min.

Viragierte rekonstruierte Bildfassung mit der originalen Filmmusik von Paul Hindemith
Regie, Buch, Schnitt: Arnold Fanck ; Kamera: Sepp Allgeier
Restaurierung: Friedrich Wilhelm-Murnau Stiftung

Es spielt das Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Jonathan Stockhammer

Einführungsgespräch um 19.00 Uhr mit Daniel Sponsel, Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des DOK.fests München und Prof. Jürg Stenzl, Musikwissenschaftler und Autor.
Das Gespräch führt Dr. Meret Forster von BR-KLASSIK.

Mit der Aufführung des 2012 rekonstruierten Bergfilms Im Kampf mit dem Berge (1921) von Arnold Fanck, wird der Symphonischen Dokumentarfilm in den öffentlichen Fokus gerückt. Zur Filmaufführung am 4. Dezember spielt das Münchener Kammerorchester die Originalkomposition von Paul Hindemith. Das Filmkonzert ist Auftakt einer Begegnung zwischen Neuer Musik und dem künstlerischen Dokumentarfilm, der in der Stummfilmära seine Anfänge nimmt. Filmemacher wie Arnold Fanck oder auch Walter Ruttmann, dessen Symphonie der Grosstadt (1927) zu den Klassikern des nonverbalen Dokumentarfilms gehört, erreichen ihr Publikum einzig über dramaturgische Mittel der Bildsprache und der Musik. Mit der Einführung des Tons verschwindet dieses Genre weitestgehend und wird durch den narrativen Dokumentarfilm ersetzt, der in den folgenden Dekaden die filmische Wirklichkeit deutlich weniger mit Musik interpretiert und emotionalisiert.

Anmeldung

Diese Veranstaltung ist leider bereits beendet.
Wir möchten vielen Menschen die Möglichkeit geben, unsere Konzertveranstaltungen zu besuchen. Der Eintritt ist frei.
Karten werden eine Woche vor der Veranstaltung zugeschickt.

Veranstaltungsort

Kleine Halle, Warngauer Str. 30
Versicherungskammer Bayern
81539 München

Zum Film

Der Bergfilm avancierte in den 1920er Jahren zu einem der erfolgreichsten Genres der deutschen Filmproduktion. Zu den Pionieren unter ihnen zählt „Im Kampf mit dem Berge“ von Arnold Fanck, der zunächst als dreiteiliger Film geplant war und unter dem Titel „In Sturm und Eis. Eine Alpensymphonie in Bildern“ in die Kinos kam. Fancks Symphonischer Dokumentarfilm erzählt die waghalsige Besteigung des 4.500 Meter hohen Lyskamm-Gipfels in den Alpen durch die zwei 1920 sehr prominenten Skiläufer Ilse Rohde und Hannes Schneider. Die zeitgenössische Kritik bezeichnete den Film als "Wegweiser für neue Wege des Films", berichtet vom "stürmischen Beifall des Publikums" und lobte die "Schönheit, wie man sie noch nie gesehen hat".

Fancks Bergfilm war lange Zeit nur in einer gekürzten Schwarz-Weiß-Fassung, die sich in einem Moskauer Archiv erhalten hatte, zu sehen. Die Ufa hatte die Rechte von Fancks Sport- und Bergfilm GmbH gekauft und den Film gekürzt. 2012 tauchten unverhofft in Wien und Berlin zwei weitere Nitro-Filmkopien auf. Auf der Grundlage dieser Zufallsfunde konnten die Urfassung von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Filmarchivs Austria in nahezu originaler Länge und Szenenfolge rekonstruiert werden.

Orientierung bei der Wiederherstellung der Urfassung bot Hindemiths Musik: In Text- und Synchronangaben der handschriftlichen Originalpartitur hatte der Komponist jede Filmminute exakt notiert. Berühmtheit erlangte der Film nicht nur wegen seiner expressiven Bilder, sondern eben auch durch die Musik von Paul Hindemith. Beeindruckt vom Film, hatte er in nur weniger als zwei Wochen eine Komposition für Salonorchester geschrieben, deren Besetzung beliebig erweiterbar war. Wie oft die Musik zum Film gespielt wurde, kann heute nicht mehr zurückverfolgt werden. Bei der Uraufführung des Films am 22. September 1921 in Berlin wurde die Musik jedoch nicht aufgeführt; wegen aufwändiger Probenzeiten und weil die Kinokapellmeister gerne auf eigene Arrangements zurückgriffen. Die Komposition gilt als eine der ersten Originalkompositionen der deutschen Stummfilmkunst überhaupt. Sie begeisterte die Zuhörer auch als eigenständiges Werk unter dem Titel "In Sturm und Eis. Eine Alpensymphonie in Bildern". Sie wurde erstmals nach dem Zufallsfund in 2012 vom hr-Symphonieorchester neu eingespielt.

Das Münchener Kammerorchester (MKO)

Münchener Kammerorchester
© Florian Ganslmeier

Eine außergewöhnlich kreative Programmgestaltung in Verbindung mit der in kontinuierlicher Arbeit gewachsenen Homogenität des Klangs: Mehr als 60 Jahre nach seiner Gründung in der unmittelbaren Nachkriegszeit präsentiert sich das Münchener Kammerorchester heute als Modellfall in der deutschen Orchesterlandschaft. Unter einem Saison-Motto – ›Politik‹, ›Alpen‹, ›Jenseits‹, ›Architektur‹, ›Ostwärts‹, ›Drama‹ oder ›Kindheit‹ – konfrontieren die Programme des MKO Werke früherer Jahrhunderte assoziativ, spannungsreich und oft überraschend mit Musik der Gegenwart.

Mehr als siebzig Uraufführungen hat das Kammerorchester zu Gehör gebracht, seit Christoph Poppen 1995 die Künstlerische Leitung übernahm und das unverwechselbare dramaturgische Profil des Klangkörpers begründete. Komponisten wie Iannis Xenakis, Wolfgang Rihm, Tan Dun, Chaya Czernowin und Jörg Widmann haben für das Kammerorchester geschrieben; allein seit 2006 hat das MKO Aufträge u.a. an Erkki-Sven Tüür, Thomas Larcher, Bernhard Lang, Nikolaus Brass, Samir Odeh-Tamimi, Klaus Lang, Mark Andre, Peter Ruzicka, Márton Illés, Miroslav Srnka und Tigran Mansurian vergeben.

Alexander Liebreich, der zur Spielzeit 2006/07 Poppens Nachfolge antrat, setzt auf die Erlebnisqualität und kommunikative Intensität zeitgenössischer Musik. Neben den Donnerstagabenden im Prinzregententheater, der Hauptspielstätte des Orchesters, hat das Kammerorchester in den vergangenen Jahren eine Reihe ungewöhnlicher Konzertformate etabliert. Ein ebenso kundiges wie großes Publikum finden nun schon in der zwölften Saison die ›Nachtmusiken‹ in der Rotunde der Pinakothek der Moderne, die jeweils ein komplettes Programm einem Komponisten des 20. oder 21. Jahrhunderts widmen. Rund sechzig Konzerte pro Jahr führen das Orchester außerdem auf wichtige Konzertpodien in aller Welt. In den letzten Spielzeiten standen u.a. Tourneen nach Asien, Spanien, Skandinavien und Südamerika auf dem Plan.

Bei ECM Records sind Aufnahmen des Orchesters mit Werken von Hartmann, Gubaidulina, Mansurian, Scelsi, Larcher, Yun und Haydn sowie von Hosokawa erschienen. Weitere Einspielungen mit dem MKO wurden bei Sony Classical veröffentlicht.

m-k-o.de/

Jonathan Stockhammer

Jonathan Stockhammer
© Marco Borggreve

Jonathan Stockhammer ist innerhalb weniger Jahre zu einem weltweit gefragten Dirigenten geworden. Er studierte zunächst Chinesisch und Politologie, später Komposition und Dirigieren in seiner Heimatstadt Los Angeles. Noch während des Studiums sprang er für eine Reihe von Konzerten beim Los Angeles Philharmonic ein. In der Folge wurde er eingeladen, dem Chefdirigenten Esa-Pekka Salonen zu assistieren. Mit Abschluss seiner Studien zog er nach Deutschland um und entwickelte enge künstlerische Beziehungen zu bekannten europäischen Ensembles wie Ensemble Modern, MusikFabrik und Ensemble Resonanz. Inzwischen hat er sich sowohl in der Welt der Oper, als auch der klassischen Symphonik und der zeitgenössischen Musik einen Namen gemacht. Die Oper spielt eine zentrale Rolle in Jonathan Stockhammers musikalischen Aktivitäten.

Die Liste seiner Operndirigate, darunter Die Dreigroschenoper, Zemlinskys Eine florentinische Tragödie, Sciarrinos Luci mie traditrici und Monkey: Journey to the West von Damon Albarn, weist ihn als Dirigenten aus, der komplexe Partituren und spartenübergreifende Produktionen als willkommene Herausforderung begreift und meistert. Regelmäßig zu Gast war er seit 1998 an der Opéra de Lyon, wo er unter anderem die französische Erstaufführung von Dusapins Faustus, The Last Night leitete. 2009 führte er mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zwei Werke Wolfgang Rihms auf, Proserpina (Uraufführung) und Deus Passus. Im Pariser Théâtre du Châtelet begeisterte er 2010 in Sondheims A Little Night Music mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France. Im Februar 2013 gab er sein Debüt an der New York City Opera in Thomas Adès‘ Powder her Face. Die von Publikum und Kritik gefeierte Produktion wurde sofort für weitere Aufführungen beim Festival d’opéra de Québec im August 2013 eingeladen.

Im symphonischen Bereich hat Jonathan Stockhammer bereits zahlreiche renommierte Klangkörper geleitet. Dazu zählen das Oslo Philharmonic Orchestra, NDR Sinfonieorchester Hamburg, Sydney Symphony Orchestra und die Tschechische Philharmonie. Er war auf Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, den Donaueschinger Musiktagen und Wien Modern zu Gast. Für Produktionen, die sich den gängigen Kategorisierungen entziehen, hat Jonathan Stockhammer eine besondere Vorliebe. Dazu gehören Greggery Peccary & Other Persuasions, eine CD mit Werken von Frank Zappa mit dem Ensemble Modern (RCA, 2003), die mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet wurde, sowie Konzerte und eine Einspielung des neuen Soundtracks zu Sergei Eisensteins Film Panzerkreuzer Potemkin von und mit den Pet Shop Boys. Die von ihm dirigierte Liveaufnahme. The New Crystal Silence mit Chick Corea, Gary Burton und dem Sydney Symphony Orchestra erhielt 2009 einen Grammy. Sehr erfolgreich war auch seine Zusammenarbeit mit dem Rapper Saul Williams für Said the Shotgunto the Head , eine Komposition von Thomas Kessler, die Jonathan Stockhammer mit dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem RSO Stuttgart und Oslo Philharmonic zur Aufführung brachte.

In der Saison 2014/2015 wird er erstmalig bei der Biennale in Venedig gastieren. Weitere Höhepunkte der Saison sind Wiedereinladungen unter anderem zum Orchestre National de France, zu den Münchner Symphonikern, dem RSO Stuttgart, dem NDR Sinfonieorchester Hamburg und mit Ensemble Modern zu den Donaueschinger Musiktagen. Seit der Jubiläumssaison des Collegium Novum Zürich 2013/14 ist Jonathan Stockhammer Conductor in Residence des renommierten Schweizer Ensembles. Auf die begeistert aufgenommene erste gemeinsame Spielzeit folgt nun eine Saison mit zahlreichen Uraufführungen und Schweizer Erstaufführungen sowie einem spektakulären

Werk der jüngeren Vergangenheit: in vain von Georg Friedrich Haas.

http://de.karstenwitt.com/jonathan-stockhammer

30. Internationales Dokumentarfilmfestival München

07. bis 17. Mai 2015

Das DOK.fest München bringt den künstlerischen Dokumentarfilm auf die große Kinoleinwand. An elf Spielorten zeigt das Festival über eine Woche lang mehr als 130 Filme aus über 40 Ländern. Vielfach sind die Filmemacher zu Gast, um ihre Filme mit dem Münchner Publikum zu diskutieren. Das Programm gliedert sich über Wettbewerbsreihen und Specials. Auch gibt es jährlich ein Gastland, eine Retrospektive, Open-Air-Abende sowie ein eigenes Filmschulfestival. Für Kinder, Jugendliche und Schulen bietet DOK.education eigene Filme mit medienpädagogischen Workshops und beim DOK.forum trifft sich in der Münchner HFF die Branche zur Perspektive des dokumentarischen Erzählens.

Längst ist das DOK.fest auch über das Jahr sichtbar. Zum Beispiel als Gast in den Kammerspielen, im Backstage, im Harry Klein oder mit dem Dokumentarfilm des Monats.

dokfest-muenchen.de