ArchivKunstfoyer

Blinky Palermo: Das grafische Werk und die Auflagenobjekte.

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Seine Biografie trägt ähnliche Züge wie die von James Dean, Yves Klein oder Jimi Hendrix. Sein kurzes aber intensives Leben gab wiederholt Anlass zur Mythenbildung: Peter Heisterkamp (1943-1977) alias Blinky Palermo, früh erfolgreicher und früh verstorbener Meisterschüler von Joseph Beuys, hat ein bei Sammlern heiß begehrtes Oeuvre hinterlassen. Es gilt als eine der wesentlichen Positionen der Kunstgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist dennoch eher den Insidern der Kunstszene bekannt. Bedeutende Werkensembles Palermos befinden sich zum Beispiel in der Dia Art Foundation nahe New York, in Frankfurt am Main, Bonn, Mönchengladbach, Darmstadt und in der Pinakothek der Moderne in München.
Der eher an Lyrik und Cool Jazz als an Agitation und Aktionskunst interessierte Künstler Palermo hat sich ästhetisch bereits früh von seinem Lehrer Beuys abgesetzt. Sein Werk verweigert sich zwar einer eindeutigen stilistischen Zuordnung, doch zeigt es Tendenz zur reinen Malerei, bei der die Farbe über den Bildträger dominiert. In seinen Werken verlagert sich folglich die Frage nach dem abgebildeten Gegenstand hin zur Ebene der Wahrnehmung: einer Wahrnehmung, die sich über die formale Begrenzung des Einzelwerks hinaus auf benachbarte Werke, Wandflächen, ja den gesamten Raum erstrecken kann. Im Verlauf von rund 15 Jahren schuf Palermo Bilder und Objekte aus verschiedensten Materialien, unter anderem Leinwand, Stoff und Metall sowie Wandmalereien, Zeichnungen und Druckgrafik. Jetzt sind seine nur selten in Ausstellungen gezeigten Druckgrafiken sowie alle Auflagenobjekte aus zwei bedeutenden Privatsammlungen im Kunstfoyer in München zu sehen.
Seine Karriere begann Blinky Palermo 1966 unweit des aktuellen Ausstellungsorts, in der Galerie Friedrich & Dahlem in der Maximilianstraße. Fast jährlich folgten weitere Galerie-Präsentationen in München und schon bald gelang Palermo auch der internationale Durchbruch, spätestens durch seine Teilnahme an der documenta 1972 in Kassel. Zahlreiche Publikationen, die im Kunstfoyer ebenfalls gezeigt werden, unterstreichen seine Bedeutung. Eine große Retrospektive des Künstlers ist in einem bedeutenden deutschen Ausstellungshaus für 2007, dem 30. Todesjahr Palermos, geplant und die Palermo-Forschung trifft sich zu einem Symposium vom 17. bis 19. März 2006 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Kurator

Isabel Siben