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Konrad Klapheck. Das Graphische Werk.

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Konrad Klapheck, „Der potente Großvater“, 1998, Lithographie in drei Farben  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der potente Großvater“, 1998, Lithographie in drei Farben © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Die Schwiegermutter“, früher: „Dampfbügeleisen“, 1967/68, dreifarbige  Lithographie  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Die Schwiegermutter“, früher: „Dampfbügeleisen“, 1967/68, dreifarbige Lithographie © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der Schürzenjäger“, früher: „Reißverschluß“, 1976, Radierung  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der Schürzenjäger“, früher: „Reißverschluß“, 1976, Radierung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Glanz und Elend der Reformen“, früher: „Planierraupe“, 1976/77, Radierung  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Glanz und Elend der Reformen“, früher: „Planierraupe“, 1976/77, Radierung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der mütterliche Vater“, früher:“Schreibmaschine ‚Titan’“, 1980, Radierung  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der mütterliche Vater“, früher:“Schreibmaschine ‚Titan’“, 1980, Radierung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der Auserwählte“, 1981, Lithographie in drei Farben  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Der Auserwählte“, 1981, Lithographie in drei Farben © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Die Ungeduld der Sphinx“, 1998, Lithographie in drei Farben  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Die Ungeduld der Sphinx“, 1998, Lithographie in drei Farben © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Ballroom“, 2004, Radierung  © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer
Konrad Klapheck, „Ballroom“, 2004, Radierung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Kunstfoyer

Konrad Klapheck – das ist der mit den Schreibmaschinen. So dürfte der Düsseldorfer Künstler bei den meisten im Bildgedächtnis verankert sein. Eines der bekanntesten Werke ist „Der Krieg“ von 1965, in dem der Maler fünf kleine Drehmechanismen auf schwarzen Maschinenköpfen aufmarschieren lässt - riesig, vor einem flammend roten Hintergrund. Er schuf damit ein bedrohliches Kriegsszenario – ohne gewaltsame Kriegshandlung. Wer diese, wer andere Maschinen von Konrad Klapheck gesehen hat, den lassen sie mit ihrer Suggestivkraft nicht mehr los. Wer glaubt, kalte Technik könne keine Botschaften, keine Emotionen transportieren, der wird hier eines Besseren belehrt. Die Kombination von sachlichen und surrealen Maschinenmonumenten und sehr persönlichen Titeln ist Klaphecks Markenzeichen.

Darüber hinaus aber bietet der Künstler noch weit mehr: Zum ersten Mal steht sein graphisches Werk im Mittelpunkt einer Ausstellung. Es zeigt die Wandlungen eines Motivs und die Finessen der Drucktechniken, es zeigt einen präzisen Arbeiter und Intellektuellen, der die feinen Nuancen von Kommentar und Humor auslotet. Die Ausstellung ist auch ein Geschenk zu Konrad Klaphecks 80. Geburtstag am 10. Februar 2015. Die Präsentation würdigt ihn mit einer Schau von 120 Werken – und mit dem Werkverzeichnis seiner Druckgraphiken im Deutschen Kunstverlag.

Es scheint spät, dass erst jetzt der Schatz des graphischen Konvoluts ins Rampenlicht gerückt wird. Doch zur Zeit der ersten Retrospektiven der 60er und 70er Jahre hatte Klapheck erst vier Lithographien und vier Radierungen gefertigt. Explizit befasste sich der renommierte Düsseldorfer 1976/77 in 20 Arbeiten mit den Möglichkeiten der Radiertechnik. Insgesamt umfasst die Ausstellung 120 Lithographien und Radierungen von 1960 – 2007: von den Anfängen der Graphik, von den Anfängen Klaphecks interpretierter Dingwelt bis hin zum völlig neuen Sujet der Figur, die ab den 90er Jahren Einzug in seine Bildwelt hielt. Die Zustandsdrucke, Variationen und Farbvarianten geben nicht nur einen Einblick in das Ringen um Motive und Kompositionen für die Ölgemälde, um die Wechselwirkung zwischen beiden Gattungen, sondern zeugen als eigenständiges Werk vom Ästhetikverständnis Klaphecks. Der Künstler selbst erklärt, es verhalte sich mit der Graphik zur Malerei wie mit einem Klavierauszug zu einer Orchesterpartitur. „Vieles kann im Klavierauszug nicht mitgeteilt werden, weder die Klangfarben der Instrumente noch das Timbre und die Ausdrucksvariation der Stimmen.
Aber was deutlich sichtbar und hörbar wird, sind die Strukturen einer Komposition.“ Und, möchte man anfügen, seiner Denkweise.

Klaphecks Welt ist eine anthropomorphe – in der er technische, industrielle Maschinen zu Monumenten unserer Gesellschaft erhöht. Wenn eine Bohrmaschine mit floralem Design 1964 mit „Die Intellektuelle“ betitelt wird, in zarter Radierung farblich angehaucht, dann bekommen die Dinge – und unser Arbeitsumfeld - ein Wesen. Ähnlich kapriziös ist die Nähmaschine von 1998, die mit pfeilgerader Nadel am schlanken Arm, in effektvollen schwarz-grün-Kontrasten, zur „Ungeduld der Sphinx“ wird. „Jeder Betrachter seiner Werke spürt die Spannung, die daraus entsteht, weil Präzision und Rätselhaftigkeit zugleich wirken und die eigentümliche Erfahrung vermitteln, dass Alles und Nichts selbstverständlich ist.“ So formuliert Autor und Kurator Siegfried Gohr im Katalog die Faszination und das Paradoxon der Arbeiten.

Konrad Klapheck, der an mehreren documenta-Ausstellungen beteiligt war und über Jahrzehnte (von 1979 bis 2002) eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie inne hatte, setzte sich mit dem Rätselhaften und Surrealen schon früh auseinander. Sicherlich aufbauend auf dem Dadaismus, der die Wertigkeit der Dinge und vor allem deren Bewertung aus den Angeln hob. Klaphecks Verschiebungen der Realität erfolgen durch ungewohnte Perspektiven, Asymmetrien, Überhöhung und Hyperrealismus. Er steigert seine Effekte durch Vergrößerung, Isolation und Vervielfältigung und rückt so auch in die Nähe der durchaus gesellschafts- und konsumkritischen Pop Art. Einzigartig aber ist die leise Ironie, die sein Werk prägt: „Die Pleite“ (1967/68) ist der umgekippte Sportschuh betitelt, „Die Fragwürdigkeit des Ruhms“ thematisiert 1980 ein Fahrrad. Bekannt auch „Die Schwiegermutter“ (1967/68), die Klapheck in mehreren Varianten des rauchenden Dampfbügeleisens präzisiert. Er lässt ein Harem aus Schuhspannern entstehen (1967/68) und macht den bestechend symmetrischen, sich öffnenden Reißverschluss zum „Schürzenjäger“ (1976).

Klapheck zeigt auf, welchen Assoziationsreigen eine scheinbar völlig neutrale Welt aus Gebrauchsobjekten haben kann. Schreibmaschinen werden mit dem „Triumph der Erinnerung“ oder mit einem „Meisterdenker“ assoziiert. „Der Gesetzgeber“ (1980) offenbart sich als große Tastatur- oder Rechenmaschine. „Glanz und Elend der Reformen“ wird 1976/77 mittels Planierraupe markiert und das Telefon findet 1975 seine Zuordnung als „Der Statthalter“. Die Akribie der Graphiken wird durch die subversiven Titel durchbrochen, oft kann man autobiographische Züge entdecken. Denn hinter allen Dingen, so offenbart schon das Schlüsselbrett von 1976/77, stecken „Schicksale“.

So scheint es auch nicht mehr sehr verblüffend, das sich Klapheck in den 90er Jahren von seinem Formenrepertoire verabschiedete und sich den Aktzeichnungen und den Jazzmusikern zuwendete, die ihn seit seiner Jugend faszinierten. Auch hier mischt er einen geradezu klassizistischen Stil, Umrisslinien in äußerster Präzision, mit einer ganz eigenen Raumerfahrung. Seien es persönliche Erinnerungen, Dämonen der Zeit oder Ikonen der Technik: Letztlich öffnet Klapheck gerade durch die Variationen der Graphik den Blick für die Bandbreite von Wahrnehmungsmöglichkeiten. Die Ausstellung wurde kuratiert von Siegfried Gohr.