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Ilya & Emilia Kabakov: Installation & Theater.

Sein systemkritisches Werk entwickelte Ilya Kabakov (*1933) im sowjetischen Untergrund. Offiziell schuf er Kinderbuch-Illustrationen. Seit seiner Emigration 1987 kann er endlich zahlreiche Projekte realisieren. Dabei unterstützt ihn seine Ehefrau und Partnerin Emilia Kabakov.
Ilya Kabakov verfolgt seitdem die Idee des Gesamtkunstwerks und konzipiert raumgreifende Installationen. Die spektakulärsten waren Der Rote Waggon in der Kunsthalle Düsseldorf 1991 und Der Rote Pavillon für die Biennale Venedig 1993. Spektakulär deshalb, weil sie – bei flüchtigem Blick – Direktimport oder ‘ready made’ aus der gerade untergegangenen Sowjetunion zu sein schienen. Mit ihrer sozialistisch anmutenden Symbolik mussten sie befremdend auf den Betrachter wirken. Die parodistischen Elemente von überall verteilten ‘Müllresten’ und die Tatsache, dass der ‘Waggon’ keine Räder hatte, waren nicht ohne weiteres zu erkennen. Beide Werke waren gewissermaßen 3D-Historienbilder mit Potemkinschen Fassaden.

In den letzten Jahren hat sich Ilya Kabakov mehr und mehr dem Theater angenähert – als konsequente Folge seines literarischen Ansatzes sowie eines Installationsstils, der von Pathos und Theatralik getragen ist. Mit der Ausstellung ‘Installation und Theater’ und dem begleitenden Katalog (im Prestel Verlag) wird diese Werkgruppe nun erstmals präsentiert. Auffallend ist, dass sich die Schwerpunkte der Arbeit langsam gewandelt haben. Kabakovs Metaphern aus dem sowjetischen Alltag wirken immer zitathafter und werden zusehends überlagert und verdrängt von den Metaphern des ‘Traumes’ und des ‘Spiels’.

Die neun Projekte der Ausstellung zeigen das aktuelle Spektrum der ‘Theaterarbeiten’ auf – von der Zirkus-Skulptur auf der Bühne des öffentlichen Raumes, über die bislang nicht verwirklichten, fantastischen Projekte für das Solomon R. Guggenheim Museum in New York und die Zeche Zollverein in Essen bis hin zur Kooperation Kabakovs mit der Brooklyn Academy of Music, Het Muziektheater Amsterdam oder der RuhrTriennale. Weitere Kooperationen, wie etwa mit der Opéra National de Paris für 2008, sind bereits in Planung.

Wie bei Ilya Kabakov üblich, wird jedem der Projekte ein Konzepttext vorangestellt. Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle, Pläne und Modelle zeigen den Werkprozess in einer bemerkenswerten Vielfalt des Ausdrucks, Fotografien dokumentieren die realisierten Bühnen-Installationen. Dies ist zugleich die erste Ausstellung, die der berühmte Moskauer Nonkonformist in München zeigt. Im Stadtteil Giesing befindet sich seit 2004 eine seiner schönsten plastischen Installationen – Der glänzende Zirkus und seine Betrachter.

Katalog/Catalogue

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel-Verlag: Herausgegeben von Isabel Siben mit Beiträgen von Boris Groys und Hans-Peter Riese. 224 Seiten, mit 236 Farbabbildungen und 29 Schwarzweißabbildungen.